Stoffdeklarationen nach REACH Artikel 33

REACH Artikel 33(1) verlangt von Auftragsherstellern und Vertreibern von Artikeln mit mehr als 0,1% Massenkonzentration (w/w) einer besonders besorgniserregenden Substanz (SVHC) ihre Kunden aus der Industrie mit folgenden Informationen zu versorgen:

ausreichend information, die dem Zulieferer zugänglich sind, um einen sicheren Nutzen der Artikel zu gewährleisten, mindestens jedoch den Namen der Substanz.

Einige Auftragshersteller und Vertreiber haben ENVIRON schriftlich kontaktiert und festgestellt, dass diese Wortwahl eine passive Herangehensweise zur Compliance erlaubt, wie zum Beispiel:

In meinem Verständnis der Regulations und Richtlinien Dokumente konnte ich keine Situation erkennen, die eine aktive Prüfung/Kontrolle verlangt, um die Anforderungen von Artikel 33(1) zu erfüllen und tatsächlich suggerieren die Wörter "dem Zulieferer zugänglich" in Artikel 33(1), dass eine passive Herangehensweise annehmbar ist.

Hiermit wird deutlich, dass der Zulieferer folgendes nicht konkret gelesen hat: European Chemicals Agency (ECHA) Guidance on Requirements for Substances in Articles Absatz 5, 3 auf Seite 9, welche aussagen, dass

wann immer Standardinformationen von Zulieferern nicht ausreichend auf Übereinstimmung mit REACH geprüft wurden, Firmen selbst die notwendigen Informationen durch proaktive Anfragen in der Lieferkette erlangen müssen.

Nimmt man eine passive Herangehensweise an den REACH Artikel 33 an, riskiert man auch signifikante Compliance- und Geschäftsrisiken.

Die REACH-Verordnung besagt auch, dass, wenn ein Auftragshersteller oder Vertreiber keine Informationen zu diesen besonders besorgniserregenden Substanzen seinen Industriekunden zur Verfügung stellt, dies gleichwertig behandelt wird wie wenn er aussagt, dass die Produkte nicht mehr als 0,1% Massenkonzentration (w/w) von einer dieser besonders besorgniserregenden Substanzen enthalten. Um dies zu umgehen, geben viele Auftragshersteller und Vertreiber an, dass ihnen diese Informationen nicht zur Verfügung stehen. Sollten diese Auftragshersteller und Vertreiber jedoch dann eine Komponente mit einem eben dieser Stoffe (>0,1% w/w) liefern, müssen sie rechtfertigen warum ihnen diese Information nicht zugänglich war.

Können der Auftragshersteller und Vertreiber vorweisen, dass sie die ECHA-Richtlinie befolgt haben und diese Information von Ihrem Zulieferer verlangt haben, sie ihnen jedoch nicht übermittelt wurde, stellt dies eine vernünftige Verteidigung dar. Sollten Auftragshersteller und Vertreiber jedoch eine passive Herangehensweise verfolgt und ihre Zulieferer nicht aktiv kontrolliert haben, so gilt dies als keine vernünftige Verteidigung.

Die Antworten von den Zulieferern zu verwalten verlangt einen systematischen Ansatz, vor allem mit dem HIntergrund, dass, wie die ECHA angekündigt hat, die Kandidatenliste ab August 2009 alle 6 Monate aktulalisiert wird und dass jedes Jahr etwa 25 neue besonders besorgniserregende Substanzen (SVHCs) in die Liste aufgenommen werden. Hersteller und Zulieferer, die BOMcheck (www.BOMcheck.net) die webbasierte Datenbank für Stoffdeklarationen nutzen, sind bereits für diese Herausforderung gut vorbereitet. Die von der Industrie gesteuerte, frei zugängliche Datenbank ermöglich den Zulieferern ihre Stoffdeklarationsinformation direkt mit mehreren Industriekunden zu teilen. Das Hilfsmittel zur Erfüllung gesetzlicher Auflagen des Systems (regulatory compliance tool) schult die Zulieferer und hält sie auf dem laufenden, sobald neue Stoffe zu REACH hinzugefügt werden.